Pfeift’s mich heut’ von hinten an, mittags auf dem Campus, ich hatte wieder einmal hunderte von Seiten zum Lernen kopiert. Sowas, mein erster Gedanke im Kopf, daß es hier so pfeift… normalerweise tut’s das nur am Bahnhof oder vielbevölkerten Umsteigeplatz Kö’… Aber gut, so denk’ ich weiter, der Uni-Park wird ja auch von den Anwohnern gern genutzt, um ihre Hund’ Gassi zu führen…
Aber dann pfeift’s nochmal, und wie ich richtig hinhöre, erkenne ich eine Tonabfolge, die mir irgendwoher bekannt vorkommt… irgendwoher? Heiliger Bimbam, klingelt’s schließlich im Hirn, das ist ja mal zur Abwechslung kein Anmachgepfeife, sondern ja, genau! Wer, bitte, kann dieses Pfeifen draufhaben?
Und endlich beim dritten Mal dreh’ ich mich um - und seh’ meinen Bruder mittagspauslich ambitioniert aus einem Gebäude rausschlendern!
Was es mit dem Pfeifen auf sich hat? Ja, das ist echt lustig. Als Landei von Welt auf einem Gutshof aufgewachsen, hatte ich seinerzeit zwei Brutkästen am Fenster. Um Kohl- und Blaumeisen anzulocken, versuchte ich ihren morgendlichen Lockruf zu imitieren - und nahm in meiner kindlichen Naivität an, daß sie schließlich auf ihn gehört haben mußten: sonst hätten sie ja nie in den Kästen genistet geschweige denn das liebevoll auf die Fensterbank drapierte Futter gefressen.
Dieses Gepfeife hat sich seitdem irgendwie unter uns Geschwistern erhalten. Und funktioniert bis heute als Erkennungsgepfoffe, was cool ist, wenn man bedenkt, daß ich mich wegen dem anderen Gepfeife (oder Geschmatze und Geklackere, wie ich vor ein paar Wochen in der Kulturvorstadt wieder einmal erfahren durfte) wie wohl die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen überhaupt nicht mehr umdrehe…
Siehe auch: Der Kunstpfeifer (Loriot)