Ja, Prüfungen: Am nächsten Freitag werde ich vier Stunden lang Fragen zu Themen entweder der Sozialpsychologie, der Umweltpsychologie oder Streß & Burnout beantworten. Während mir alles außer Umweltpsychologie liegt (was als Themebereich nie in meinem Studium angeboten wurde, jetzt aber plötzlich in der Prüfung), liegt mir heute Abend hier in der Wohnung gar nichts.
Hatte irgend jemand zufällig schon richtig vermutet, ich sei aggressiv? Ohne das jetzt lang mit der mir gestern angeeigneten Aggressions-Frustrations-Theorie, die zu Diskriminierung etc. blabla Rasissmus führen kann, will ich hier nur mal festhalten: ich hasse meine Nachbarn.
Meine Nachbarn sind das dämlichste Kellnervölkchen, das ich kenne. Vorder- und Hinterbühne und so, deshalb der Begriff. Zwar so tun, als ob alles happy go lucky wär’, aber in Wahrheit sind sie die größten Spießer, die man sich vorstellen kann. Habe ich die Geschichte vom Nachbarschaftsgrillen erzählt, bei dem einzig wir neuen Mieter kommuniziert haben? Versucht, Interesse zu zeigen? Und der Rest hat sich entweder dem Wasserkopf zugewandt, der einen Teller nach dem anderen zerdepperte, in seiner eineinhalbjährigen Überheblichkeit, oder hat plump geantwortet - aber niemals nicht interagiert, nachgefragt, kommentiert. Sowas lahmarschiges hab ich schon länger nicht mehr erlebt, alter Schwede! Und ich war so weit, daß es mir peinlich war, mein zweites Bier aufzumachen!
Und dann kommunizieren die ja bevorzugt über Zettel im Haus. “Ein Hinweis, der uns allen dient”, “Die Fenster im Treppenhaus und in der Wohnung, wenn man weggeht, zumachen” oder “Die neuen Putzregeln sind jetzt auch offiziell, mit freundlichen Grüßen”. Wäääh!
Vorhin also dann geht mein Aggressionspegel wieder mal richtig schön hoch, als ich lernenderweise plötzlich ein dumpfes Getue von der Decke höre… und es hört halt überhaupt nicht auf… und ich habe das Pärchen über uns im Kopf, acht Jahre verheiratet, aber erst so um die 30, höchstens 35… Sowas verdruckstes wie die - ewig hab ich das nicht mehr gesehen… Da stehst z.B. am Balkon und glotzt den blauen Heiterhimmel an… und dann kriegst Du zufällig mit, wie die von oben ihren Kopf über ihre Brüstung strecken und - ach Du Schreck!! - sehen, wie Du sie ansiehst! Aber nein, nicht, daß die freundlich gegrüßt hätten oder so… Die haben mit starrem, erschrockenen Gesicht ihren Kopf wieder weggezogen und überhaupt nicht auf Dein Grinsen und “Hallo” reagiert…
Ja, also warum ich jetzt hier blogge statt zu lernen: Die zwei müssen das miserabelste Sexleben haben, das man sich vorstellen kann. Ja, es geht hier ständig um Superlative im Kontext von “vorstellen”, aber hey, warum nicht diesen Gedanken als Begründung dafür hernehmen, daß sonntags um halbzehn das dumpfe Getue nicht von einem gescheiten Pärchengetue herkommt, sondern von - und jetzt setzt Eure Kaffeetasse erst ab - sondern von Dieter Thomas Heck mit seiner Sendung mit der goldenen Stimmgabel!
Hatte ich erwähnt, daß die so um die 30 sind? Kinderlos? Sie ‘ne fette Kuh und er pseudo-schüchterner Doktorand? (Aber das sind die schlimmsten: tun so, als ob - und daheim lassen sie die Sau raus… gell?)
Also, die sitzen da oben und schauen sich die Verleihung der Goldenen Stimmgabel an!!!! In einer Lautstärke, daß man glauben könnte, sie hätten einen ganzen Bezirk von Altenheimen eingeladen!
Vorurteile und vorurteilsvolles Handeln… Stereotypen… Stigmata… Liebe Leute, das ist alles ganz einfach… wenn man nur mal gescheit hinschaut in seinen Alltag… Und so schlimm, sagen dann einige, sind die doch gar nicht! Schließlich helfen sie dabei, die komplexe Umwelt auf das zu reduzieren, was man versteht, was man verarbeiten kann…
Stereotyp “Spießer”, konstruiert aus den paar Begegnungen, die wir bisher mit den beiden hatten, heute Abend bestätigt durch das viel zu laut laufende Fernsehprogramm… HARCHSCHNARCH…
… und auf der anderen Seite waren da dann ja noch so Sachen wie Übertragung und Projektion… Stichwort Sozialisation in autoritärem Elternhaus… absolute Unterwerfung um der Unterwerfung willen, um dem Gerechtwerden von sozialen Normen zu entsprechen… blablabla…
Na, das ist doch mal ein Eintrag, was? Ihr versteht schon, daß ich damit nicht hausieren gehen würde beim nächsten Arbeitgeber?
Damit übrigens auch nicht, mit einer Übersicht über The Use of Vulgar Terminology four-letter words, swear words, cuss words and the Alternative Euphemisms.