Sie fiel mir auf, weil ich mich zuerst völlig verschätzte, was ihr Alter anging. Auf den ersten Blick sah ich eine sehr kleine, etwas seltsam gekleidete junge Frau; erst, als sie direkt vor mir stehen blieb, bemerkte ich, dass dieses Mädchen höchstens vierzehn Jahre alt war.
Sie hatte rot gefärbte, lange Haare, die sie ungekämmt in den Nacken fallen ließ, trug eine weiße, viel zu große Winterjacke. Ihre Jeans hatte sie in schwarze, spitze Lederstiefel gesteckt, die mit kleinen Glitzersternchen beklebt waren. Sie schlenkerte immer leicht mit einer Stofftasche. Sie hatte auch so eine Art, den Menschen ins Gesicht zu schauen. Sehr direkt, mit einem Schein von Lächeln um die Mundwinkel. Ohne einen Anflug von Aggression, Neugier oder Anteilnahme. Einfach nur: Hallo, hier bin ich, und du bist auch da. Guckuck.
An der Bushaltestelle stand sie vor mir, dann stiegen wir in den selben Bus. Ich saß im hinteren Teil, sie blieb weiter vorne. Sie schien müde zu sein. Stand die ganze Zeit direkt an der Tür, schaute hinaus. Achtete nicht darauf, dass die Leute sich an ihr vorbeidrängeln mussten. Einer von den Jungs, die von der Schule kamen, schubste sie etwas rüde zur Seite, als er sich durchschob. Sie schaute nur kurz rüber, warf ihm einen von diesen rätselhaften Blicken zu.
Später wurde sie müde, setzte sich auf den Platz vor mir. Sie ließ ihren Kopf zur Seite fallen, an die Lehne ihres Sitzes. Ließ sich von den langsamen Bewegungen des Busses schaukeln. Schaute weiter nach draußen, auf die Straßen, die an uns vorbeizogen. Irgendwann stiegen wir aus, an der selben Haltestelle. Dort war ich dann schneller als sie. Wir hatten noch eine Weile den selben Weg, aber ich habe mich nicht umgedreht und zurückgeschaut.