Es war genau Mitternacht. Längst lagen wir uns in den Armen mit den besten Neujahrswünschen. Die Knaller glühten im Sternenhimmel und der Rauch verbarg immer mehr die Natur hinter sich. Ich stand auf dem Parkplatz. Einsam mit meinem Sektglas schlich ich mich von der lauten Gruppe davon. Ich sah in den Himmel, beobachtete die Blitze und die Tränen fingen an zu laufen.
In den letzten sechs Jahren hatte ich kein einziges schönes Silvester. Und was war das heute? Welche Erwartungen hat man an solch einen Jahreswechsel? Ich hab anscheinend Höhere, als ich jemals zugeben würde und wurde wieder enttäuscht. Ja, es war schön, mit meinen Freunden zusammen zu sein. Und ja, Essen, Feuerwerk und Singen war auch schön. Doch irgendwas fehlt – Jahr für Jahr.
Jetzt ist das neue Jahr gerade mal acht Stunden alt und ich sitze zuhause an meinem Computer, trinke einen kleinen viel zu süßen Piccolo und rauche ein paar Zigaretten. Die letzten Stunden verbrachte ich mit einem Freund singend, tanzend und Champus trinkend im elterlichen Wohnzimmer. Wir schrieben eine Liste, was Liebe ist. Er ist momentan im Zwiespalt mit sich, da er ein zehn Jahr jüngeres Mädchen kennen gelernt hat und sich aufgrund dessen nicht sicher ist, ob das „standesgemäß“ für ihn wäre. Seit wann spielt Alter eine Rolle, frage ich ihn.
Was bringt das neue Jahr für mich? Mein angeblich doch so zutreffendes Jahreshoroskop prophezeit mir eine steile Karriere, wodurch ich auf einiges verzichten müsste. Ok, alles klar, damit kann ich umgehen. In mir steckt sowieso ein kleiner Workaholic. Und wäre ich mit meinem jetzigen Job nicht ausgelastet, ich wüsste, wie ich mir mit Weiterbildungen das Leben anspruchsvoller gestalten könnte.
Welche Vorsätze habe ich? Trinken und rauchen werde ich wie eh und je. Sport nimmt sich auch jeder mehr vor, oder? Also, wieso nicht auch ich? Ich bin erwachsen geworden im letzten Jahr. Doch was heißt das für das diese?
Die Dämmerung zieht an meinem Fenster entlang und ich weiß genau, was ich vermisse, doch ich bin zu stolz, es zuzugeben. Ich bin doch ein großes Mädchen, ich brauche niemanden. Und doch sehne ich mich nach der warmen Schulter, in die ich meinen Kopf legen kann und in der ich wohlig einschlafen kann.
Was wird das nächste Jahr für mich bringen? Wie wird sich die Welt rund um meine Person weiter drehen? Wie werde ich mich weiter drehen? Gehört Sentimentalität mit zum Jahreswechsel?