Fri 3 Oct 2008
Es tut mir leid. Und ich habe ein schlechtes Gewissen.
Am 21. Juni 2008, einen Tag nach meinem ersten 10km Wettkampflauf, habe ich so gegen 18h eine Zigarette geraucht. Im weiteren Verlauf des Abends wurden es sicher zwanzig Stück, die ich mir bei meinen erstaunten Raucherfreunden als “schöner Anlass Kippen” zusammengeschnorrt und genüsslich gequarzt habe.
Rund zwei Wochen später, am 04. Juli 2008 (pünktlich zur Einführung des Nichtrauchergesetzes in NRW und nach über 1,5 Jahren Abstinenz), habe ich mir wieder eine Schachtel Zigaretten gekauft und seit diesem Tag in unregelmäßiger Regelmäßigkeit, mit und ohne Alkohol, drinnen und draußen, im Stress und in entspannten Situationen, geraucht.
Ich habe diesen Ausflug in die alten Verhaltensweisen geliebt, gehasst, genossen und verdrängt. Und mit jedem Tag dieser Raucherei habe ich gemerkt, was ich mir zerstöre:
-
Zigarettenkosten: rund 450€ zum Fenster hinaus geworfen.
Kondition: Nach 15 Minuten Laufen ist mir die Luft weggeblieben. Sportliche Betätigungen jeglicher Art fallen schwer.
-
Nasenschleimhäute: Geruchssinn schwindet, Essen ist nicht mehr lecker, die Schleimhäute verkrusten sich.
-
Verdauung: Unregelmäßig, abhängig vom Zigarettenkonsum.
-
Allgemeiner Zustand: Unreinere Haut, erhöhter Haarausfall. Vom nikotinträchtigen Mundgeruch mal völlig abgesehen.
Die Vernunft kam schneller als erwartet und so bin ich seit Montag wieder rauchfrei. Es fällt mir leichter als ich dachte - zumindest was Alltagssituationen angeht. Und dann gibt es wieder Extreme, wie z.B. an meinem ersten Tag:
Schon am frühen Morgen war ein Flug ins schöne Ostdeutschland für einen beruflichen Tagestrip gebucht. Da ich dank eines Staus und dem überfüllten Parkhaus am Flughafen statt 45 Minuten nur 35 Minuten vor Abflug am Checkin-Schalter ankam, machten mir die unfreundlichen Airberlin-Mitarbeiterinnen klar, dass ich diese Maschine wohl jetzt verpasst hätte. Meine Kundin, die für den gleichen Flug bereits am Gate wartete und selbstverständlich nicht erfreut über diese Nachricht war, diskutierte noch mit den weiteren Fluggesellschaftsdamen, doch trotz Verspätung des Flugs um rund 10 Minuten folgten sie strikt ihren Anweisungen.
Die Lufthansa war da etwas kulanter. Rund 35 Minuten vor deren Flug in den Osten zahlte ich das Ticket und wurde gebeten mich “so langsam Richtung Gate” zu bewegen. Dass man für Freundlichkeit und Service in Deutschland einen Aufpreis von 350€ one way zahlen muss, wusste ich zuvor nicht…
Am Ziel schließlich angekommen erwartete mich meine Kundin mit den Worten: “Was für ein stressiger Morgen. Ich weiß ja nicht, ob sie rauchen, aber ich brauche darauf jetzt erstmal eine Zigarette.” Erst zögerte ich, aber dann sagte ich bestimmt: “Oh, nein, ich habe aufgehört. Aber es stört mich nicht.”
Mit dieser Dame habe ich Montag bis Mittwoch jeden Tag rund 12 Stunden verbracht. Und bin standhaft geblieben.
9 Responses to “Rauchfrei - wenn die Sucht zuschlägt!”
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.
October 3rd, 2008 at 10:59 am
Habe gerade bei evo im blogroll ein paar Zeilen gelesen und musste hier den Rest natürlich nachholen.
Also das mit dem Rauchen kenn ich nur zu gut, hatte mal 2 Jahre aufgehört, wieder angefangen und nun seit Mai wieder aufgehört.
Irgendwie bleibt man aber doch Raucher.
Find’ es gut, dass du wieder aufgehört hast…drück dir die Daumen & schau’ hier ab und zu mal vorbei!
October 3rd, 2008 at 3:28 pm
Ich kann immer wieder nur den Kopf schütteln über die Billig-Airlines…aber das ist eine andere Geschichte, hab da in den Jahren einiges erlebt und weiß schon, warum ich auch heute noch die Lufthansa und Co bevorzuge.
Was das Rauchen angeht - kannst Du Dir selbst auf die Schulter klopfen! =) *lach* ich als passionierter Nichtraucher fange bald damit an, wenn das weiter so geht
October 3rd, 2008 at 7:54 pm
Oh Himmel!
Wenn man diesen Blog-Beitrag liest, bekommt man als Raucher ja ein schlechtes Gewissen und Beklemmungen.
Es ist klar, dass sich das Rauchen sehr negativ auf Gesundheit und Geldbeutel auswirkt, in sofern Glückwunsch zum “Aufhören”.
Das Thema rauchen ist dennoch ein brisantes Thema. Neben den ganzen negativen Aspekten, die ja immer lauter durch die Medien posaunt werden, wird eines leider völlig unter den Teppich gekehrt:
Rauchen ist und war schon immer ein Stück Lebensgefühl und Freiheit, nicht umsonst spricht man ja vom “Genussmittel”.
October 4th, 2008 at 1:11 am
Hmm… ich bin immer wieder froh, dass ich damit nie angefangen habe. Scheint echt nicht einfach zu sein, wenn man mal Raucher war, die Finger komplett davon zu lassen.
Ich freue mich, dass du’s nochmal geschafft hast.
October 4th, 2008 at 11:09 am
Oh. Oh. Oh. Welch schwere Verfehlung, Frau E-Heldin! Widerstehe den teuflischen Mächten! Weiche, Diabolos, weiche!
Ich muß aber auch gestehen, daß ich ein wenig von Zigarren angefixt bin, seit ich vor 2 Jahren mal auf diesem Jazz-Konzert war, wo eine echte Kubanerin echte Havannas handgerollt hat. Seitdem gönne ich mir ab und zu mal eine, die dann auch gerne ein paar Euro kosten darf, ebenfalls gerne mit einem guten Rum dabei…
October 4th, 2008 at 12:31 pm
So lange du ein schlechtes Gewissen, deine Sünden bereust und du nun die Beichte vor uns abgelegt hast, ist das doch in Ordung. Drei Ave Maria und vier Vater unser, dazu ein Apfel gegen den schlechten Rauch-Geschmack im Mund und dir sei verziehen
Ne, mal ehrlich, so ein Rückfall kann doch mal passieren, aber dass du dann gleich wieder so eine stressige Situation gemeistert hast ohne zu rauchen spricht doch für dich. Machmal muss man sich halt daran erinnern, warum man das Rauchen eigentlich aufgegeben hat.
Nun aber nicht die Ave Maria vergessen
October 5th, 2008 at 7:24 pm
Danke, oh ihr Verständnissvollen!
Habe heute den ganzen Tag im Regen gekniet und mich dabei ausgepeitscht. Dabei Ave Maria in fünf Sprachen runtergebetet und dem Herrn gedankt, dass ich schon fast wieder ne Woche abstinent war.
Hach, ich brauch eben einfach euren Zuspruch…
October 6th, 2008 at 10:12 am
Gut gemacht! Vielleicht sollte ich mir ein Beispiel dran nehmen.
October 6th, 2008 at 11:38 pm
An welchem Teil davon jetzt?