April 2008


Rückflug Berlin -> Köln/Bonn

Kurz vor der Landung wird’s hektisch im hinteren Bereich des Fliegers. Ich versuche, mich weiter auf meine Zeitschrift zu konzentrieren.

Nach der Landung bleibt die Maschine am Ende des Rollfelds stehen. Blaue Lichter lassen das Flugzeuginnere immer wieder aufblinken. Dicke Geschäftsmänner in ihren miefenden Anzügen schnallen sich ab, um ihre schweren Fliegerkoffer aus der Ablage zu holen und stehen laut telefonierend auf dem Gang.

Sanitätsdienst, Feuerwehr und ein Krankenwagen stehen neben der Boing - die Rettungskräfte kommen an Board. “Bitte nehmen Sie auf Ihren Sitzen Platz, um die Sanitäter zu einem medizinischen Notfall im hinteren Bereich der Maschine durchzulassen.”, krächzt die Stewardess hektisch in die Durchsageanlage.

Die telefonierenden Herren bemerken das gar nicht. Zu beschäftigt mit den Anschlussterminen, Abschlussverträgen und Meetings, die vielleicht schon bald der Grund für ihren Herzinfarkt nach dem Geschäftsessen in Berlin sind.

Überall kann man ja heutzutage beim Einkaufen punkten. Das ist an und für sich keine Neuheit. Denn schon früher hat man z.B. beim Brotkauf seine Bäcker-Kundenkarte abstempeln können und nach - sagen wir - 10 Broten fünf Krapfen Berliner umsonst bekommen. Heute gibt es praktisch keine Einkaufsgelegenheit mehr, wo ich nicht Punkte, Points oder Aufkleber sammeln könnte und irgendwann mit mehr oder weniger hübschen Giveaways und Rabatten für die Treue belohnt werde.

Letztens bekomme ich ein fremdes Portemonnaie in die Finger und blättere es auf der Suche nach dem Namen des Eigentümers durch. Neben den üblichen Plastikkarten wie ADAC, Krankenversicherung, Galeria Kaufhof, Saturn usw. reihte sich eine neutrale Weiße ein. Bei neugieriger genauerer Betrachtung entpuppte sie sich als Mitgliedsausweis des legänderen Coffeeshops Roots und Oase, der direkt an der deutsch-niederländischen Grenze sitzt. Ob man damit beim zehnten Drogeneinkauf ein Päckchen Papers gratis bekommt? Und ratet mal, welchen Job der Eigentümer hat!

Sonne doof. Depressionen doof. Wiese doof. Putzdienst doof. Krankenhaus doof. Grillen doof. Pärchen doof. Internet doof. Ostdeutschland doof. Ärzte doof. Arbeiten doof. Champagner doof. Geschenke doof. Sistaweb doof.

Und das schlimmste an allem ist die absolute Hilflosigkeit!

Der Grund, warum ich mich heute wie eine Statistin in einem schwarz-weiß Film fühle, sind die Elvis-Presley-Songs, die schon seit Stunden aus einem der weit geöffneten Fenster meiner Straße posaunen. Es klingt nach warmem Sommer, riecht nach süßen Blumenwiesen und schmeckt nach einem Glas Prosecco beim Nachmittagstee.

Ein Fenster nach dem anderen gesellt sich hinzu und ich hab so eine romantisch nachbarschaftliche Einigkeit seit dem Hausflaggehissen für das letzte Schützenfest nicht mehr erlebt. Schön.

Ach, und ganz nebenbei: Happy Birthday, Bruderherz :-)

Auf dem gut besuchten Klatschblattportal (Auch von mir gut besucht, versteht sich. Ich will ja immer informiert sein, auf welche Art Deutsche gerade Sympathiepunkte verlieren.) lautete heute eine der Headlines:

Das Stink: Germany to blame for terrible smell engulfing England blown in by freak weather

.

Bitte auch die Kommentare beachten ;) (Und über die Konjugation eines unregelmäßigen Verbes hinwegsehen.)

Ansonsten gibt es eigentlich viel Neues zu erzählen. Ein paar werden es schon an meinem Versuch bemerkt haben, ein feature “Fragen einer first time Angestellten” zu etablieren. Aber bei den Neuigkeiten sind ein paar wenige dabei, die schwerer wiegen und ja… was kann ich sagen… von Schönem und Lustigem ablenken und abhalten.

Mal mehr.

Und mal weniger.

Und im Moment leider eher mehr.

Die Wahrheit ist, daß das Leben voll von Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen ist… ein paar von ihnen - keine Frage - guter Natur… aber die anderen belastend und mit der Zeit immer beschwerlicher wahrzunehmen…

Ich habe große Hoffnung auf Veränderung.

Well, you barely passed. Odds are in favour that you are actually a female and have never experienced a male rest facility in all it’s glory. That, or you’re a guy who doesn’t get out much. If we were you, we wouldn’t be showin’ your score off to any of our friends, since they can probably pee way better than you can.

Beim Urinaltest hab ich ganz schön versagt - obwohl ich die Hälfte der erreichbaren Punkte als Mädchen gar nicht schlecht fand! Außerdem hatte ich vorher hier erstmal ein paar Basics gelernt, um dann später die Variante für Damen zu bewundern.

Ob ich jemals in die Bedrängnis kommen werde, in aller Öffentlichkeit im Stehen zu Pinkeln? Vielleicht sogar auf ein Männergesicht? Und dies dann als langersehnten weiteren Schritt der Emanzipationswelle betrachte?

Bei meinem letzten Hautscreening musste der Arzt ein verändertes Muttermal entfernen, weswegen ich jetzt etwas unruhig auf das Laborergebnis in der nächsten Woche warte. Mein Doktor meinte, wenn es Krebs wäre, würde man nochmal größer und tiefer nachschneiden und dann abwarten. Aber wenn es ein schlimmerer Krebs wäre, würde alles etwas aufwändiger. Ich hab mich nicht getraut nachzuhaken.

Ihr könnt das jetzt als Hinweis sehen, auch mal wieder einen Termin zu vereinbaren, wo doch die meisten Krankenkassen diese Leistung sogar noch nach Einreichen der Quittung übernehmen!

Welche Krebsvorsorge-Untersuchungen sonst noch sinnvoll sind, steht hier.

20080405_snow1.jpg

Der (fast) bekannte Blick aus dem Küchenfenster, heute morgen kurz nach acht.

Wie die Wettervorhersage war? Slightly different, würde ich mit dem Versuch, höflich nach britischer Art zu klingen, sagen :) : (more…)

… zum ersten Mal nicht mehr freiberuflich selbständig, wie die letzten neun Jahre lang, sondern vertraglich fest an eine Firma gebunden:

* Getrenntes oder gemeinsames Konto?

* 24 Tage Urlaub im Jahr - und hier die acht bank holidays schon mit drinnen - ist das normal? Und darf man diese Tageszahl tatsächlich als benefit bezeichnen?

* Ab wann muß eine Firma ein pension scheme oder wie sich das nennt anbieten?

Ich war vor einiger Zeit mit nem Kerl essen. Richtig schick beim Sushi-Mann in Düsseldorf. Soweit so nett. Doch kaum waren die letzten Nigiris und Makis vom Teller im Mund verschwunden, stand mein Gegenüber auf, packte sich seine Jacke und ging breit grinsend und mit einer völligen Selbstverständlichkeit Rauchen! Er ließ mich original ohne Vorwarnung an meinem Nichtrauchertischchen allein sitzen!

Als Ex-Süchtige empfinde ich dieses Verhalten als unverschämt und war völlig entsetzt! Darüber hinaus hatte ich noch nichtmal eine Zeitschrift zur Hand, die mir die Wartezeit über den Konsum von zwei Kippen (weil: wenn man schonmal bibbernd vor der Tür steht…!) versüßt hätte, noch war ich in Stimmung, mein ausgeschaltetes Telefon aus der Tasche zu kramen, um eventuell eingehende Nachrichten zu beantworten.

Ab sofort Note an mich selbst:
Vor Restaurantbesuchen mit Süchtigen Shopping-Stopp am Zeitschriftenladen meines Vertrauens!

Rauchfrei-Tage: 464
Ersparnis: ca. 1.856€

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Ehrenrettung: Beim zweiten Restaurantbesuch hat er ganze vier Stunden ohne Zigaretten ausgehalten! “Ich wäre auch gern so stark wie du!” Geht doch ;)

(…)Ich ticke immer noch im Kumpelsstil, zwei Sixpack von der Tankstelle und wir erzählen uns einen Abend lang von Frauen, Affären und sexuellen Abenteuern. Ich denke einfach nicht dran, dass sie ja alle nicht mehr alleine unterwegs sind (und sein können oder wollen). Obwohl alle ihre Frauen wirklich tolle Frauen sind und ich sie wirklich gerne mag. (…) -> ganzer Text bei Bandini

Ich kenne auch fast keine Singles mehr. Bei vielen Männlichen denke ich auch im Traum nicht dran, etwas an dieser Situation ändern zu wollen. Die Singles im Freundeskreis sterben genauso schnell aus wie die Raucher. Die einen hinterlassen in ihrem Alltag grauen Qualm und dreckige Kippen, die anderen vielleicht süße Erinnerungen oder gar gebrochene Herzen.

Und irgendwann räumen sie die sauber gewischten Aschenbecher neben die Ex-Erinnerungskiste in die Abstellkammer, um dann zufrieden das Bild der eigenen Familie zu bewundern.

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