November 2007


Die Zahl der Aids-Toten stagniert in Deutschland bedauerlicherweise, lese ich vorhin.

Ja sagt mal. Stagniert! Wie kann man in diesem Zusammenhang denn so ein Wort verwenden, das gemeinhin besagt, daß einer bestimmten Variable kein Wachstum widerfährt?

Und ich dachte noch, ich könnte das hier gar nicht erzählen, daß ich auch auf diese Art meine Adventsvorbereitungen angefangen habe… :)

Nach einem Spaziergang vor ein paar Wochen entlang des Basingstoke-Kanals hatte ich schon befürchtet, daß es heuer nichts wird mit Adventskranz und -strauß. Die Auen links und rechts der im 18. Jahrhundert geschaffenen Wasserstraße (damals dachte man, daß ein Kanal eine billigere und effizientere Alternative zum Straßenbau und damit Transport von Waren war) sahen zwar saftig und grün aus. Doch an immergrünen Bäumen oder Sträuchern hatte ich nichts finden können.

Als ich dann gestern schon ein bißchen verzweifelt erneut am Kanal entlangwanderte - weder die lokalen Super- noch Baumärkte verkaufen hier nämlich Adventskränze, weil diese Tradition in England gar nicht so verbreitet ist (außer in den Kirchen) - erspähten meine Äuglein nach einer Stunde Suche im trüben Morgenlicht dann doch etwas Rotgrünes, das sich bei genauerem Hinblick als Stechpalmen-Busch erwies!

Die Nadelbäume (Und zum ersten Mal kann ich nicht sagen, was ich da abgeschnitten habe. Ein richtiger Tannenbaum war’s nämlich nicht, dafür waren die Stämme viel zu schalig. Vielleicht eine Mischung aus Eibe und einem gemeinen Nadler? Die weichen Nadeln lasse mich das fast glauben.), die ich schließlich noch viel weiter ab vom Schuß gefunden habe, ließen in mir vor lauter die Tochter meiner Mutter erwachen, und zwar die, die im Advent nicht genug an Grünzeug für Balkon und Kränze zusammensammeln kann. ;)

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Zum ersten Mal hängt bei uns nun also schon vor dem ersten Advent was Weihnachtliches rum. Was ja gaaarnich geeeht.

An sich.

Aber in den Geschäften wird seit den Wochen rund um das Oktoberende schon so viel kitschiges Weihnachtszeug parallel zum damals verkauften Halloween-Schnickschnack angeboten, daß ich schon ein bißchen einfachen Augenweidenausgleich brauchen kann :)

(Wenn ich’s dann endlich mal schaffe, den Truthahnkollegen zu verbannen…
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Sachen dieser Art setzt man sich hier bei jeder gut organisierten Weihnachtsparty auf den Kopf.)

— — —

Heute gelernt:

* Der Adventskranz wurde 1839 vom evangelischen Theologen Johann Wichern erfunden.

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Der Begründer der Inneren Mission hatte 1833 in Hamburg-Horn das “Rauhe Haus” gegründet, in dem Kinder aus ärmlichen Verhältnissen Aufnahme fanden. Weil die Kinder in der Adventszeit beständig fragten, wann endlich Weihnachten sei, gestaltete er einen Adventskranz aus einem Wagenrad, auf dem vier große, weiße Kerzen und 24 kleine, rote standen. (Bild aus Wikipedia)

Von Norddeutschland aus verbreitete sich diese Tradition, die auch von der evanglischen Kirche übernommen wurde. Nach dem ersten Weltkrieg hing 1925 zum ersten Mal ein Kranz in einer katholischen Kirche in Köln, seit 1930 auch in München. (mehr)

* Nach der katholischen Liturgie wird ein Adventskranz mit vier Kerzen geschmückt, drei davon lila und eine davon rosa (Manchmal gibt es noch eine fünfte, weiße, die am Heiligen Abend angezündet wird.). Die Farben der Kerzen entsprechen meistens den im Kirchenjahr verwendeten; abhängig von der jeweiligen Kirche haben die einzelnen Kerzen noch verschiedene Namen und Bedeutungen.

Und zwar Identität; im Gegensatz zu England.

Musiklegende Morrissey sorgt derzeit mit Äußerungen zur hohen Einwandererzahl in Großbritannien für Furore. In seinem jüngsten Interview mit dem britischen Musikmagazin NME sagt er unter anderem, daß das Land seine Identität verloren habe und er u.a. deshalb nicht mehr nach England zurückziehen würde.

Morrissey, 48, who has spent most of the last decade living in LA and Rome, told NME magazine countries like Germany still had their own identity and complained of not hearing “British accents” on the streets.

Asked whether he would move back to Britain, Morrissey, the son of Irish immigrants, said: “Britain’s a terribly negative place. And it hammers people down and it pulls you back and it prevents you.

“Also, with the issue of immigration, it’s very difficult because, although I don’t have anything against people from other countries, the higher the influx into England the more the British identity disappears.

“So the price is enormous. If you travel to Germany, it’s still absolutely Germany. If you travel to Sweden, it still has a Swedish identity. But travel to England and you have no idea where you are.”

Das Interview scheint jedoch nicht in der Originalversion erschienen zu sein, sondern von der Redaktion noch einmal überarbeitet; behauptet im Nachhinein der ursprüngliche Autor Tim Jonze, der seinen Namen damit nicht mehr verbunden wissen will.

Das ganze also eine Anti-Morrissey-Kampagne von NME, die seit jeher eine Haß-Liebe mit Morrissey verbindet?

Der Aufmacher auf der NME-Titel-Seite läßt ebenso wie Hintergrundinformationen zum Interview sowie ein Schreiben von Morrisseys Anwälten auf einer Fanseite diese Spekulation zu:

Bigmouth strikes again
“MORRISSEY”
“The gates of England are flooded. The country’s been thrown away”
OH DEAR. NOT AGAIN.

— — —
* Kommentare dazu auf der Fanseite Morrissey-solo

Da warte ich und mit mir noch ungefähr fünf andere Firmen darauf, dass wichtige Projektentscheidungen verbunden mit fünf- bis sechsstelligen Auftragssummen getroffen werden. Sämtliche angekündigten Deadlines sind verstrichen und wir alle hören nichts. Heute habe ich erfahren, dass der Grund ihrer Verschwiegenheit eine Katastrophe imensen Ausmaßes ist.

“She’s ready for collaps. She already didn’t find her wedding dress!”

* Toll! Als ambitionierte Kuchen- und Kochtante werde ich bei Foodpairing sicher öfter mal vorbeischauen. Auf der Webseite werden 250 verschiedene Lebensmittel und ihre Hauptgeschmacksrichtungen vorgestellt - und wie man diese dann aufgrund ihrer geschmacklichen Ähnlichkeiten miteinander kombinieren kann; oder eben wegen fehlender Übereinstimmungen niemals sollte.

- FOODPAIRING -

“Food combines with each other when they have major flavour components in common.?

A list was made of 250 food products each with their major flavour components. By comparing the flavour of each food product eg strawberry with the rest of the food and their flavours, new combinations like strawberry with peas can be made. The way to use is, is just to select a food product like strawberries. You will get a plot where you have strawberry in the middle surrounded by other food products. Take one of those other food products and try to make a new recipe by combining those two. The more flavours food products have in common the shorter the distance between the food products.

* Wochenendlicher Besuch hat sich angekündigt - und die Wäsche muß noch zusammengelegt werden? Hier geht’s zu einem Video, das zeigt, wie man ein T-Shirt in zwei Sekunden tiptop falten kann!

Die Verwandschaft mit mäkelnden Kleinkindern kommt? Vielleicht läßt sich letzterer Laune von zu Elefanten gefalteten Handtüchern beeindrucken. Die Anleitung.

* Zigaretten sind im Grunde genommen gut für Dich. Sagen die bunten Werbeplakate aus den 1920-50ern, mit denen die Tabakindustrie die Öffentlichkeit davon überzeugen wollte, daß Rauchen gesund ist.

“More doctors smoke Camels than any other cigarette.”
“Not one single case of throat irritation!”
“See how your throat reacts to the delightfully cool mildness of camels.”

* Als Ausländer im fremden Land guck ich da zur Zeit gern mal drüber, über Merriam-Websters visuelles Wörterbuch.

The Visual Dictionary is designed to help you find the right word at a glance. Filled with stunning illustrations labeled with accurate terminology in up to six languages, it is the ideal language-learning and vocabulary dictionary for use at school, at home or at work.

When you know what something looks like but not what it’s called, or when you know the word but can’t picture the object, The Visual Dictionary has the answer. In a quick look, you can match the word to the image.

* Im Silk Street Market in Peking hängt angeblich dieses Plakat, das die Verkäufer daran erinnern soll, mit welchen empfohlenen und verbotenen Sätze Kunden anzusprechen sind.

Jö, jetzt hat’s auch uns erwischt.

Gestern morgen beim Aufrufen unserer Seite wundere ich mich im ersten Moment, warum unser Blogroll plötzlich so lang ist. Ein genauerer Blick ließ mir die Spucke wegbleiben:

blogrollspam1.jpg blogrollspam2.jpg blogrollspam3.jpg

Klasse, hm? Offensichtlich hat unsere Wordpress-Version eine Schwachstelle, bei der das “wp-admin/link.php?-Skript nicht die Rechte eines Benutzers checkt, bevor es einen neuen Blogroll-Link zuläßt.

Soll heißen: Irgendein, in unserem Fall: rumänischer Arsch (Um sowas rauszukriegen, hat man einen Lieblingsmann, der als computer guy sein Leben fristet seine Berufung gefunden hat… ;) ), sitzt da draußen am Rechner und kann auf Sistaweb seine Links in unsere Blogroll einfügen!

Mehr dazu und die Lösung des Problems gibt es bei Blogsecurity.

Phänomen Buffalax

Statt einem Friday Five in der gewohnten Manier muß ich heute fünf YouTube-Videos verlinken, deren Konzept und Ausführung mir schon seit dem frühen Mittag Lachmuskelkater noch in Tagen verspricht.

Vielleicht kennt der eine oder andere von Euch diese Filmchen schon; ich habe eines davon heute Morgen bei Elisson entdeckt - und was für eine Perle!

Ein gewisser Buffalax macht sich den Spaß, fremdsprachige Musikvideos mit englischen Untertiteln zu unterlegen. Soweit wäre das ja noch nicht wirklich witzig, wenn nicht der Gag dabei ist, daß es sich hierbei nicht um die Übersetzung des Liedtextes handelt, sondern das, was Buffalax aus dem Text heraushört!

Die Ergebnisse sind zum Schreien komisch - und haben mich daran denken lassen, wie wir als Kinder, die wir kein Englisch konnten oder verstanden, Beatles-Songs “gesungen” haben. Nämlich indem wir deutsche Worte für die englischen Texte erfunden haben, die uns phonetisch korrekt vorkamen.

Wenn auch meistens im ziemlich lächerlichen Nonsense-Style. :)

Das Beste an meiner vormittäglichen YouTube-Recherche war, daß ich tatsächlich auch ein deutsches buffalaxed Video gefunden haben, und zwar: Moskau!

Moskau! Fremd und geheimnisvoll, Türme aus rotem Gold…
Moskau! Enter the hymen store! Two men are scorched and burned!

Es ist nicht der lustigste von Buffalaxs kreativen Ergüssen, aber es ist verrückt, wie wenig man vom Deutschen versteht, wenn man sich auf die englischen Untertitel konzentriert.

Moskau:

Genial - der Nipple-Song (wenn auch ein Tribute an Buffalax):

Scary Michael-Jackson-Morph - der indische Thriller:

Kult mit bald 1,5 Millionen Zuschauern - Benny Lava:

Schwedischer Song - Boten Anna:

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* Buffalax-Interview im Wired-Magazine
* Profil in YouTube

Da ich die bundesweiten Demos gegen Vorratsdatenspeicherung heute voll unterstütze, hier eine Liste der Städte, wo heute zwischen 17 und 19h die Leute gegen diesen Gesetzentwurf auf die Straße gehen.

Shortlinks zu:
Augsburg
Köln
Düsseldorf

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