August 2007


Die Minuten ziehen an mir vorbei, ohne das ich etwas davon merke. Die Stunden vergehen so schnell, dass ich davon nichts spüre.
Erst der Sonnenaufgang, dann der Sonnenuntergang, und dann wieder von vorn das ewige Hell und Dunkel. Dazwischen Tag und Arbeiten, dann Nacht und Arbeiten und Schlafen. Manchmal auch Freunde, aber eher als Ausnahme am Wochenende.
Ich fühle mich wie ein Hamster im Laufrad und glaube, dass die haltende Gegenmutter doch langsam abfallen müsste, weil ich doch so renne und keuche und müde bin. Und dann wieder ganz dringend der Abgabetermin und danach der Nächste und dann das große Projekt, weil’s jetzt doch was wird und “das Kümmern zu Ihren Grundaufgaben gehört, Frau E-Heldin”. Zumindest das sagt mein Chef und der Chef von meinem Chef. Und sie lächeln mitleidig, wenn sie sich in den Feierabend verabschieden und als einziges Licht noch das meiner Schreibtischleuchte in der Nacht erstrahlt. Und sie lächeln ermunternd, wenn man trotz allem in bester Laune morgens das Büro wieder betritt.

Mensch, Leute, wie zieht man die Notbremse ohne seine Verpflichtungen zu vernachlässigen und um wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben?

ich möchte nie wieder 18 sein
so niedlich, dumm und klein
so ne kichernde backfischbraut
die nervös auf den nägeln kaut
geklaute meinung verpeilter stil
antiseptisch und steril
ich hab lieber orangenhaut
als gar kein profil

lalala, mit diesem nordischen humor hat mir ina müller meine fahrt nach und von bayern versüßt. hihi, ich grins jetzt noch, wenn ich an den grundhund denk…

Steh ich gestern in einer der etwas teureren Supermarktketten, die durch kontinentale Produktauswahl bestechen - hier gibt’s ungesalzene Butter, Pudding und Speisestärke -, am Kühlregal, als mich eine Omi fragt, ob ich ihr das heutige Datum nennen könne.

Hmm… tut mir leid, verneine ich… ernsthaft Schwierigkeiten habend, ob nun der achte, neunte oder gar schon zehnte des Monats August ist…

Da fängt die alte Dame das Kichern an - und will gar nicht mehr aufhören!

Wie bitte? Frage ich unsicher… und füge erklärend an, daß so etwas ja mal passieren könne, nich wahr!

Doch das Grinsegesicht der Lady hat ganz andere Gedanken in ihrem adrett pink gefärbtem Lockenkopf: Woher ich denn komme, will sie wissen.

Achso, sage ich, ja, also Deutschland.

Echt?, sagt sie ungläubig? Bei meinem Akzent hätte sie mich schwer auf Amerikanerin eingeschätzt.

Nun ja, erkläre ich, das kommt vielleicht daher, daß mein Partner Amerikaner ist…

Hihihi, prustet dat Ömmeken weiter, sie wisse so etwas durchaus zu unterscheiden… da sie - und das war der Oberhammer, den KEIN Amerikaner hören möchte - da sie nämlich kanadische Verwandtschaft hätte…

– — –

Ansonsten sieht es so aus, als würden wir Mitte nächster Woche endgültig Fuß in England fassen. Nachdem wir vergangenes Wochenende ein zweites Mal in einen lebendigeren Stadtteil umgezogen sind, sollten uns die Herren Kabel und Internet in ein paar Tagen ihre Dienste erweisen.

Yippie! Nach zweieinhalb Monaten fast vollkommener Abstinenz wieder Nachrichten lesen, kommunizieren und schwadronieren!

Nicht zu vergessen: Rezeptdetails nachlesen!

Bis dahin versuche ich mir klar darüber zu werden, wie es mit mir und dem Sistaweb weitergehen soll. Nach dem Umzug und den damit verbundenen Änderungen beziehen sich die Dinge, die mich am meisten beschäftigen und von denen ich naturgemäß viel zu berichten hätte, vor allem auf Alltägliches hier in England, sprachliche Herausforderungen und ähnlich eigentlich Nebensächliches, worüber ich auf Sistaweb an sich nie hätte schreiben wollen.

Weil mir das früher viel zu langweilig vorgekommen wäre.

Deshalb spiele ich mit dem Gedanken, einen eigenen England-Weblog aufzumachen… wogegen aber die E-Heldin schon vehement protestiert hat…

Andererseits würde das Sistaweb dann eben einen komplett neuen Schwerpunkt bekommen… und vermutlich dutzende neuer Kategorien… was sicherlich auch seinen Reiz hat.

Gibt’s denn irgendwas, was für nicht in England lebende Leute besonders interessant zu wissen wäre?

Daß zum Beispiel im benachbarten Landkreis mittlerweile die Tiere von zwei Bauernhöfen mit Maul-und-Klauenseuche befallen sind?

Daß der ultimative Sommer-Moden-Kick hier Jeans-Mini-Röcke mit 3/4-Leggings drunter sowie Fellwinterstiefeln bis zum Knie ist? (Und generell sind ja die Sechziger wieder da… und Tunikas…)

Daß hier in allen Waschmitteln Bleichmittel drin sind, es fast nur Pulver und sehr selten Colourwaschmittel gibt und man generell mit 40°C wäscht - weshalb die Ariel-Werbung, mit einem besonderen, neuen Konzentrat-Waschmittel nur bei 30°C waschen zu müssen (Schont die Umwelt!) richtig gut anzieht?

Daß man sich hier in den Pubs nicht an einen Tisch setzen kann und dann etwas zu trinken bestellt, sondern man alles am Tresen bestellen, bezahlen und mitnehmen muß?

Das wäre so die Auswahl an Neuigkeiten, die den Weblog in Zukunft befüllen würden…

Ganz so aufregend find’ ich das nicht, aber bevor das Schwesternnetz brach liegt, nichnagellnaja…

Schönes Wochenende Euch allen!

– — –

Und Happy Birthday an dasolgy und Dea! Laßt’s ordentlich krachen heute, an Eurem 65. Geburtstag :)

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