April 2007


Seit einer Stunde versuche ich auf der Homepage der Kommunikation, bei der ich seit ca. 1997 einen Account habe, eine Email zu versenden. Der Anbieter sieht im Internet sein Zuhause - und möchte, daß auch ich mich dort wohlfühle. Aber irgendwas läuft heute gewaltig schief bei seinem Versuch, den elektronischen Dialog noch einfacher, komfortabler und zuverlässiger zu machen.

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I dare say I feel royally pissed today.

Nachdem ich Samstagmorgen meine beiden Handys erfolgreich in Kaffee ertränkte und somit zu einem Wochenende konsequenter Unerreichbarkeit gezwungen wurde (was mich persönlich ehrlich gesagt nicht weiter störte), überraschten mich dann Montags die Reaktion nicht durchgestellter Anrufer.

48 Stunden ohne spontane Kontaktaufnahmen, Kontrollanrufer und versendete Lebenszeichen. 48 Stunden purste Lebenslust, Ruhe und Genuss. Und danach: Vorwürfe!

“Wo steckst du?”, “Na die zwei Minuten hättest du dir ruhig für ne SMS Zeit nehmen können.”, “Dich erreicht man ja nie.”, …

Man wird sich erst der Geiselnahme dieser Mobilitelefone bewusst, wenn man sie mal ein paar Stunden aus seinem Leben bannt. Vielleicht sollte man auch hier einen Abwesenheitsassistenten aktivieren: “Befinde mich momentan in Mittelalterlicher Handyfreier Zone! Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht…”

Hach, war das eine Schau! Am Wochenende lief die erste Ebay-Auktion meines Lebens zu Ende, und wenn ich jetzt gefragt würde, worauf man am allermeisten verzichten kann, um dieses erste Mal zu überleben, würde ich, aus Erfahrung schlau, raten: auf eine jüngere Schwester, die fünf Minuten vor Schluß per Telefon Deinem ungläubigen Unverständnis ob dieser offensichtlich gängigen Ebay-Habiti, erst in den letzten 120 Sekunden zu bieten - aber dann rischdisch! - ein beruhigendes Ende zu setzen versucht, indem sie sich über 600km Entfernung auf unsensible Art lustig über die Bedenken ihrer Lieblings-Endzwanzigerin macht. Und nebenbei kichernd und prustend die Zutaten ihres Abendessens aufzählt.

Als newbie in diesem Online-Etablissement hatte ich ja gar keine Ahnung, was mich erwarten würde, und war geschockt, daß eine Stunde vor Auktionsschluß immer noch niemand auf mein drei Monate junges tip-top Malm-Bett mit Lattenrost sowie zwei dazupassenden Nachtkästchen aus derselben Serie geboten hatte. Zaghaft richtete ich daraufhin einen eigenen Ebay-Account ein (den Artikel hatten wir über den Account meines Freundes angeboten) und erhöhte das Start-Gebot auf 1,50.

Harhar, daraufhin die bereits erwähnte jüngere Schwester, is’ ja süß. Das warst echt Du?

In den letzten 120 Sekunden kletterte das Angebot dann um 150 Prozent - und ich denk’ mir jetzt im nachhinein: was’n Glück, wenn man da als Bieter kein Dial-In mehr hat! Und was ist das überhaupt für ein Sport? Da sind 38 Beobachter - und im Endeffekt bieten sechs oder acht oder dreizehn IN DEN LETZTEN 60 SEKUNDEN?

Ebay als Adrenalin-Kick hoch zwei, nicht nur für die Käufer, sondern in meinem Fall auch für die Verkäufer - ist zwar schon eine schweißtreibende Erfahrung wert. Aber diese muß ich nicht unbedingt nochmal auf einem Schreibtischstuhl hockend haben.

Auf der anderen Seite hatte die Auktion noch einen Mehrwert. Dank des Profils des erfolgreichen Käufers habe ich gelernt, was die Begriffe honen und entgraten meinen. Hui!

Ebay als interaktive E-Learning-Platform - und die Geheimnisse des zerspannenden Feinbearbeitungsverfahrens von metallischen oder keramischen Oberflächen zur Verbesserung von Maß- und Formgenauigkeit sowie vorwiegend der Verbesserung der tribologischen Oberflächeneigenschaften gehören Dir!

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