Fri 23 Mar 2007
Heutige Links führen Euch zu Bildern von alten Dokumenten, die ich vorgestern auf einem Sperrmüllhaufen gefunden habe. An sich hatte mich nur das kleine, gut erhaltene
Lederköfferchen interessiert, bei dem sogar noch der Schlüssel dabei war. Aber sein Inhalt kommt einem Schatz alter Behörden-Briefe, Zeugnisse und Rechnungen gleich, die eine ganze Lebensgeschichte erzählen. Die Geschichte der am 8. Mai 1894 in der königlichen Universitäts-Frauenklinik zu München illegal geborenen Amalia.
Leider tu’ ich mir schwer mit dem Entziffern der Schrift auf dem Geburts- und Taufzeugnis. Fällt das jemandem von Euch leichter?
Unter den weiteren Dokumenten befinden sich Schmuck- und Grabrechnungen, die (Arbeits-) Zeugnisse von Amalia (die sich 1928 selbständig gemacht hat!), ein gemeinsamer letzter Wille, ein Antrag auf ein gemeinsames Eheleute-Konto, Tierschutzverein-Briefe, Rentenbeitragszahlungszettel, Mahnungen von Grabeinfassungskosten, die Todesurkunde von Amalias Mann, Altenheim-Rechnungen und schließlich die Sterbeanzeige von Amalia selbst.
Als ich fertig mit dem Durchsehen der Papiere war (von denen ich weiß, daß zwischen ihnen noch ein alter Wehrpaß und Fotos gelegen haben müssen, die ein älterer Herr und Sammler zwei Minuten, bevor ich den Koffer mitgenommen habe, aus selbigem herausgenommen hat), war mir schon irgendwie mulmelig zumute.
So konnte das also aussehen, ein “erfülltes Leben”. Wovon nur noch Zeugnisse, Behörden-Briefe und Rechnungen zeugen, die eine ganz andere, eine leblose, bürokratische Sprache sprechen. Und in einen kleinen DIN A4-Koffer passen. Den Koffer von Amalias früh verstorbenem Mann “Karl Kienle, Kraftfahrer”.
Wie das bei uns mal aussehen wird? Ob das statt eines Koffers ein cd case sein wird, mit CDs, deren Inhalt man nur noch mit antiquarischen Geräten wiederherstellen kann?
5 Responses to “Friday Five”
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March 23rd, 2007 at 10:26 am
Irgendwie ist das sehr anrührend.
March 23rd, 2007 at 1:55 pm
hm… zufälle gibts…
und jetzt stell dir vor, ich hatte mamas briefe als 8jährige in der hand und durfte stundenlang alte familienfotos kucken… ich hätts so gern mit dir zusammen getan…
March 25th, 2007 at 10:43 am
[...] Amalias Nachlaß: Petra Amadeus, Mein Leibgericht. Ein Brevier für Feinschmecker. Mit vielen hundert Rezepten aus [...]
March 26th, 2007 at 12:36 am
Das ist Stoff für eine Geschichte! Denkt mal darüber nach, ist doch fantastisch!
February 13th, 2009 at 9:56 pm
illeg!=illegal, sondern wohl eher illegitimiert, d.h. vom Vater nicht anerkannt. War meine Mutter auch, aber erst 1933. Gruss.