Mon 26 Feb 2007
Im Rahmen eines umfassenden Texter-Auftrages hatte ich in den letzten drei Wochen mit ca. 40 Kunden aus einem recht heterogenen Bereich zu tun. Allen gemein ist zwar die Sorge um das körperliche und geistige Wohlbefinden ihrer Klienten, doch dieses läßt sich bekanntlich auf vielen Wegen erreichen.
Während mir am abschreckendsten die Edel-Kosmetik-Salongse (auch gerne als “Galerie” oder “Institut” bezeichnet, mit bisweilen kuriosen Neologismen aus englischen und deutschen Wortteilen) und Haare-Weg-Etablisments in Erinnerung bleiben werden, schlägt mein Herz kichernd und warm für meist im Speckgürtel der Stadt residierende Muttis, die sich nach dem dritten Kind ihren Selbständigkeitstraum mit Edelstein-Massagen, Narben-Blockaden- oder Farb-Energie-Behandlungen erfüllen.
Ihre Arbeitsräume nennen sie liebevoll “Insel” und liegen damit nicht weit weg von den unzähligen Erleuchteten, den Sitas, Atulyas, Shantis oder Devals, die in ihren “Oasen” - nicht selten “in exklusivem Ambiente” - mittels Chakra-Behandlungen, Aura-Soma, Aroma-Öl-Massagen und Tao-Essenzen für den Einklang von Körper, Geist und Seele ihrer Kunden sorgen. Oder mit Ayurveda-Kochkursen!
Als Unwissende ersten Grades staune ich ob der fantasievollen Namen, Rituale und Anwendungen! Nie im Traum wäre ich darauf gekommen, daß miese Laune, eine schlechte Aura und wenig Selbstbewußtsein von z.B. zwei centstück-großen Narben kommen kann, die ich mir seinerzeit beim Fahrradfahren-Lernen zugezogen habe!
Neben diesen ersten drei Gruppen und abgehoben, pseudo-sophisticated Emails und Aufträge formulierenden Kunden aus der Kategorie “Ästhetische und Plastische Chirurgie” sowie dem Golfsport (”Die Suche nach einem im Rough verlorenen Ball stellt immer wieder einen interessanten Ausflug in die ‘Tiefen’ der Natur dar”), finden sich dann noch diejenigen, die ich eher als bodenständig bezeichnen würde: Fitness-Studio-Betreiber, Friseure und Sonnen-Studio-Leiter.
Während erstere vor allem Wert darauf legten, daß in ihrem Text Specials wie beispielsweise kostenlose Tageszeitungen, Kinderbetreuung, Kursgebühr-Erstattung durch die Krankenkassen, Internet und MP3-Player hervorgehoben wurden, setzte ein Vertreter der letzteren auf S.E.X.. “Da muß viel mehr Sex rein”, meinte er zu meiner ihn betreuenden Kollegin, “Sex sells, das wissen Sie doch!” Zwei Drittel seiner PR dreht sich in der endgültigen Version nun um die wissenschaftlich korrekte Darstellung des Zusammenhangs von euphorisierenden Botenstoffen und künstlichem Licht - und Sex: “Wer Lust hat, sich und seinem Körper wieder den Kick Erotik zu geben, den schöne gebräunte Haut beim anderen Geschlecht auslöst, sollte…”
So. Und jetzt kommen wir endlich zu dem, worüber ich eigtl. die ganz Zeit schreiben wollte.
Ich bin am Samstag von einem Kunden gefragt worden, ob ich für ihn Haarmodel werden möchte.
Haar-Model.
Ich.
Hahaha.
Wie’s mir die Sprache verschlagen hat.
Am Mittwoch habe ich jetzt meinen Termin bei einem der coolsten, umtriebigsten Friseure in der Stadt, der nicht nur mit einem außergewöhnlichen Salong plus integrierter Kunst-Galerie aufwarten kann, sondern sich auch als Visagist bei diversen Bällen und Modeschauen einen Namen gemacht hat.
Alter Schwede.
Er weiß, daß ich nicht mit einem Kakadukopf nachhause gehen darf. Er weiß, daß ich auf keine Haarstyle-Events gehen werde; auch deshalb, weil ich bald ins Ausland ziehe. Ihm ist klar, daß ich mich nicht für seine Webseite ablichten lasse.
Drum also umso größer mein Erstaunen. Und um so diffuser meine momentane Erwartungshaltung.
Eine klassische “Landei von Welt”-Geschichte, hm, Sissy? Hahaha.
4 Responses to “Das letzte Mal, II”
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February 26th, 2007 at 12:02 pm
Wow, was ne Karriere: Sie fing als erfolgreiche Texterin an und endete als Kopf-Modell, das keiner sehen durfte
Ui, wie gespannt ich auf die Fotos bin!!!
February 26th, 2007 at 5:47 pm
Ich oute mich jetzt auch mal, es ist zwar schon bestimmt 10 Jahre her, aber auch ich war mal Haar-Modell. Bei einem Frisör-Wettbewerb.
Gewonnen hat mein Figaro leider nicht, das tat das schwule Frisör-Pärchen, das meinen Bruder frisiert hatte.
Ich hatte allerdings orange Haare und 100 Mark mehr in der Tasche. Da ich kurz danach auch noch umzog musste ich in der neuen Schule auch noch allen erklären, warum ich denn so eine seltsame Frisur habe. Ich hatte aber wenigstens keine lila Haare, wie mein Bruder
February 26th, 2007 at 6:06 pm
Blöd nur, dass meine Frisörgeschichten immer anders laufen.
March 1st, 2007 at 9:46 am
Bin auch Haar-Model! Leider lassen sie mich nur bei den Vorher-Fotos drin