Fri 23 Feb 2007
Früher dachte ich immer, Angst haben nur Menschen ohne Selbstbewusstsein und Typen, die voller Verunsicherung durch’s Leben huschen. Und ich meine damit nicht die Angst, die man hat, wenn man dem Tod ins Auge schaut, während man schlimme Achterbahnen fährt oder sich Sorgen vor ärztlichen Diagnosen macht.
Ich meine diese Alltagsangst, die man spürt, weil einem plötzlich die Luft weg bleibt, das Herz rast, man Sternchen sieht und die Beine unter’m Körper wegknicken. Hyperventilieren heißt das dann oder Kreislaufkollaps. Das wird einem jedenfalls immer gesagt und man denkt dann an schlechte Luft, heißes Klima, whatever. Dass der Auslöser dabei aber Angst sein könnte, hätte ich bei mir selbst nie gedacht!
So landete ich bei einem Diskobesuch mal im Krankenhaus, weil ich in der Menschenmasse das Bewusstsein verloren hatte. Während des Grönemeyer-Konzerts musste mein Freund mich halb aus dem Besucherstrom schleppen und reißen, weil ich mich weder auf den Beinen halten noch bewegen konnte. Auf Konzerte gehe ich seit diesen Erfahrungen nur noch mit Pässen, die auch für Publikumsbefreite Zonen gelten. Mir unbekannte Großraumdiskotheken, deren Fluchtmöglichkeiten und Notausgänge ich nicht kenne, meide ich komplett. Und seit meiner Flucht nach dem 2-Sekunden-Besuch vom Esprit-Lagerverkauf, von dem ich blaue Flecken und keine Poloshirts mit nach Hause brachte, habe ich selbst vor dem Shoppen in den großen Malls oder eben einfach Samstags ordentlich Respekt!
Ich bin kein kuschendes Mädchen, dass sich mit scheuem Blick vor dem Leben versteckt. Umso außergewöhnlicher für mich die Erkenntnis, ein Angsthase zu sein.
3 Responses to “Angsthase”
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February 23rd, 2007 at 1:06 pm
Hm, sonderlich das für mich ausgerechnet jetzt dieses Thema hier niedergeschrieben wird, dan bei mir und in meinem Umfeld ich nunmehr desöfteren damit konfrontiert werde.
Ich selbst lebe nun knapp 12 Jahre damit, ein “Angsthase” zu sein, mal mit Hilfe, mal ohne Hilfe, mal besser, mal schlechter. Mal kommt die Angst in den verrücktesten Momenten, wo man sich absolut auf einem Höhenflug befindet, aber nicht etwa dann, wenn man sich mies fühlt.
Die allgemeinen Symptome sind bekannt, wie man dagegen angeht, da gibt es kein Patentrezept. Mir hat damals eine Erklärung meines damaligen Sellenklempners geholfen (2. Studiengang, vorher Ausbildung zum Automechaniker): “Angst ist eine Ausschüttung von Adrenalin im denkbar unpassensten Moment”. Und mit dieser Vorstellung kann ich zumeist meine Attacken eindämmen.
BTW: Angst ist mitlerweile eine anerkannte Zivilisationskrankheit … und fast ineinandergreifend mitm Burn-Out-Syndrom.
February 23rd, 2007 at 2:34 pm
Heute morgen habe ich bewusst nicht an einer Verlosung für Konzertkarten teilgenommen. Und als ich drüber nachdachte, warum ich jetzt nicht einfach den Radiosender anrufe, ist mir klar geworden, dass ich dort niemals hingehen würde und wenn doch, dass es mir schlecht gehen würde.
Außerdem versuche ich schon heute alles für’s Wochenende einzukaufen. Und warum? Weil ich die Massen bei Aldi und Co. nicht verkrafte.
Auch wenn ich schon seit einiger Zeit drüber schreiben möchte - so klar wie heute morgen war mir noch nie, was ich eigentlich für ein Problem habe.
February 23rd, 2007 at 9:52 pm
Das hat nix mit Angsthasen zu tun, sondern mit dem gesunden Menschenverstand - wenigstens was grosse Menschenmengen angehen. Die sind und bleiben gefährlich, könnte ich sie noch nie ausstehen. Und übrigens; no angst, no fun.