Früher dachte ich immer, Angst haben nur Menschen ohne Selbstbewusstsein und Typen, die voller Verunsicherung durch’s Leben huschen. Und ich meine damit nicht die Angst, die man hat, wenn man dem Tod ins Auge schaut, während man schlimme Achterbahnen fährt oder sich Sorgen vor ärztlichen Diagnosen macht.

Ich meine diese Alltagsangst, die man spürt, weil einem plötzlich die Luft weg bleibt, das Herz rast, man Sternchen sieht und die Beine unter’m Körper wegknicken. Hyperventilieren heißt das dann oder Kreislaufkollaps. Das wird einem jedenfalls immer gesagt und man denkt dann an schlechte Luft, heißes Klima, whatever. Dass der Auslöser dabei aber Angst sein könnte, hätte ich bei mir selbst nie gedacht!

So landete ich bei einem Diskobesuch mal im Krankenhaus, weil ich in der Menschenmasse das Bewusstsein verloren hatte. Während des Grönemeyer-Konzerts musste mein Freund mich halb aus dem Besucherstrom schleppen und reißen, weil ich mich weder auf den Beinen halten noch bewegen konnte. Auf Konzerte gehe ich seit diesen Erfahrungen nur noch mit Pässen, die auch für Publikumsbefreite Zonen gelten. Mir unbekannte Großraumdiskotheken, deren Fluchtmöglichkeiten und Notausgänge ich nicht kenne, meide ich komplett. Und seit meiner Flucht nach dem 2-Sekunden-Besuch vom Esprit-Lagerverkauf, von dem ich blaue Flecken und keine Poloshirts mit nach Hause brachte, habe ich selbst vor dem Shoppen in den großen Malls oder eben einfach Samstags ordentlich Respekt!

Ich bin kein kuschendes Mädchen, dass sich mit scheuem Blick vor dem Leben versteckt. Umso außergewöhnlicher für mich die Erkenntnis, ein Angsthase zu sein.