Mon 6 Nov 2006
Damals, als meine und die Zähne meiner Geschwister schief standen, gab es alle sechs Wochen den Familienausflug zur Zahnexpertin. Ausgestasttet mit bunten Zahnspangenaufbewahrungsplastikbecherchen um den Hals und natürlich einem richtig schlechten Gewissen wegen der Ignoranz gegenüber der Kiefernorthopädischen Anweisungen nach dem vorherigen Termin (die sich immer lohnte und wo man immer das meiste Lob kassierte!!) machten wir uns auf den Weg.
Es wurden regelmäßig Abdrücke gemacht. Und das leider mit Zuhilfenahme dieses ekligen Gummizeug in verschiedenen Geschmacksrichtungen, das einem das Gefühl gab, gleich würde die Luftröhre verstopfen, und sich nie vom Gaumen ablösen ließ, weshalb die Ärztin mit aller Kraft und ihrem Körpergewicht gegen den festsitzenden Kiefer ankämpfte. Zum blaue Bröckelchen ausspucken reichte leider nie der kleine Plastikbecher, denn er enthielt niemals (und ich meine wirklich niemals nie!) genügend Wasser zum Prozedurbeendenden Ausspülen. Als kleines Mädchen habe ich mich nie getraut, einen der einschüchternd leuchtenden Knöpfe im Sessel zu drücken, um dem Hahn eventuell noch mehr des erfrischenden Nasses hervorzuzaubern. Heute ist das anders. Heute lächelt man einfach nochmal die sympathische Zahnarzthelferin flehend an, die dann schon weiß, was man will oder geht selbstbewusster und mutiger an die Sache ran.
Das Highlight meiner Zahnspangenkarriere war mit Abstand “Die feste Spange mit “Überrollbügel”" (Danke für diese tolle Umschreibung, Olgy). Beide Zahnreihen brachte die Ärztin zum blinken, denn auf die Zähne wurden silberne Halter aufgeklebt, miteinander verdrahtet und mit einem bunten Gummi für jeden Zahn aufgepeppt. Außerdem hatte ich dieses komische Außenteil, das natürlich auch eine Befestigungsmöglichkeit oder auch Einfuhrösen im Mund brauchte. Nachts konnte man damit nicht schlafen! Nicht auf der Seite, weil man dann halb auf dem Bügel, halb auf den Ösen lag, und auch nicht auf dem Rücken, weil das Band so in den Nacken zerrte und man Kopfschmerzen davon bekam.
Diese Einfuhrösen an den hinteren Backenzähnen waren eigentlich die schlimmsten Stellen. Denn bekam man mal eine von seinen Geschwistern gescheuert oder landete ein Ball mitten im Gesicht waren aufgeschlitzte und blutende Wangeninnenseiten vorprogrammiert!
Ich war sehr stolz, als ich als allererste in der Klasse eine Zahnspange hatte. Und noch viel stolzer war ich, als ich als allererste in der Klasse keine Zahnspange mehr hatte und der ganzen Welt meine - sich von den frisch von den Haltern und Drähten befreiten noch glitschig, weich, rutschig anfühlenden - herrlich geraden Zähne zeigen konnte.
4 Responses to “Zahnspangengeschichten”
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November 6th, 2006 at 6:14 pm
Hahaha, Mann, was hast Du da an Fachvokabular und hervorgekramt! Meine Erinnerung dran ist genau so gruselisch, v.a. die an diesen ätzenden Bogen, mit dem ich überall hängen geblieben bin; und die Brackets, die mir ständig beim Apfelessen abgegangen sind…
November 6th, 2006 at 6:34 pm
Was meinst Du, A-Heldin, was wir gestern abend da gesessen haben, eine Zahnspangen-Story jagte die nächste … könnt man gut 10 Minuten Stand-up-Comedy vonmachen
wir haben uns gerollt …
November 6th, 2006 at 8:11 pm
Na dann seid mal froh dass Ihr so gute Kieferorthopäden hattet - ich habe jetzt ein Gebiss wir Horst Schlämmer ….
November 6th, 2006 at 10:24 pm
Mann bin ich da immer wieder froh, dass ich nur einige Zähne gezogen bekommen habe und dadurch die lästige Spange vermeiden konnte.