Mon 11 Sep 2006
vor fünf jahren hab ich in der schule blau gemacht. es war ein dienstag. normalerweise haben wir - die drei azubis aus augsburg - immer montags blau gemacht, weil da immer sport war. aber vor genau fünf jahren war’s ein dienstag.
ich lag faul in meinem wg-zimmer rum, als mich am frühen nachmittag mein schwuler sitznachbar aus der klasse anrief: “mach’ den fernseher an! es ist was schreckliches passiert!”
4 Responses to “wie ich’s erfuhr”
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September 11th, 2006 at 8:40 pm
Ich weiß noch, daß ich da im Büro saß. Irgendwann meinte ein Kollege: “Shit, da ist ein Flugzeug ins WTC geflogen.” Ich: “Haha, lustig, bestimmt ne Cessna mit ein paar japanischen Touristen drin oder so…” “Nee, wohl schon ein richtiges, ne Boeing oder so.” “Quatsch, das geht doch gar nicht, da gibt’s doch bestimmt Flugverbotszonen und so, die treffen doch nicht einfach so ein Hochhaus in Manhattan.”
Eine halbe Stunde lang konnte man dann noch die Nachrichten im Internet verfolgen, danach waren dann weltweit sämtliche Nachrichtenseiten zusammengebrochen, und man verfolgte jedes Byte, das noch irgendwo durch die Leitungen kroch.
September 12th, 2006 at 8:11 am
Ich weiß es gar nicht mehr so genau… Seinerzeit war ich mit Unternehmensberatern auf einer Schulung und habe mangels Radio und Fernsehen (Internet war mit meinem analogen Telefonanschluß in der Dachbodege nicht wirklich, remember?) erst spät am Abend bzw. am nächsten Tag davon erfahren.
Zwei oder drei Jahre später habe ich dann zum ersten Mal die beklemmendsten der Bilder gesehen, bestürzende Rückblick-Filme anläßlich des Jahrestages.
Beim darauf folgenden Erdnußbutterfrühstück wunderte ich mich mit einem Kloß im Hals lange, wie sehr nicht nur mein amerikanischer Gastgeber, sondern auch ich von den Ereignissen ergriffen wurde. Obwohl sie schon zwei, drei Jahre zurück lagen.
September 12th, 2006 at 12:53 pm
Ich bin ein Kind der Medien, sei es WEB, Radio, TV oder Print. Entertainment muss überall sein, und zu dem Zeitpunkt hatte ich das Glück, bei meinem früheren Arbeitgeber n kleinen Raum (35 qm) zu haben, wo ich meine Leidenschaft ausleben durfte … Hier n Radio, dort meine 3(!) Rechner in einer wahnsinnigen Schreibtischlandschaft, davor von der Decke hängend einen 60 cm TV … ich war im Paradies.
Bis zu diesem Tage: Ein Kunde rief mich an und sagte “Ey H…., mach mal die Glotze an, ich steh hier gerade mitm Wagen vor nem TV-GEschäft, irgendwie brennt da n Haus”. Ich also auf CNN geschaltet, sah den brennenden ersten Tower, ging rüber zu den Kollegen, man ging wieder in mein Büro … und sah live, in Farbe, bunt, und sämtlichen anderen Eindrücken, wieder 2te Flieger einschlug. Danach war nicht mehr ans Arbeiten zu denken, obwohl wir ne Zeitung produzieren mussten, man hing gebannt bis in den Abend rein mit bis zu 10 Personen vor dem Ding. Der Live-ticker brummte auf dem einen Monitor, dort die TV-Bilder, hektisch wurde versucht, irgendwelche Nachrichtendienste an die Strippe zu bekommen …
Es war ein verdammt langer, schrecklicher Tag, der in einer fast schlaflosen Nacht endete … und ständig hatte ich ein Bild vor Augen (makaber wie es ist): ein freundlich lächelnder auf einem der Twin Tower stehender Tourist in die Kamera winkend, darüber eine anfliegende Boeing (jeder kennt diesn Fake, erschreckend aber, das dieser schon Stunden später als Witz-Mail kursierte)
September 12th, 2006 at 2:42 pm
Vor fünf Jahren hatte mein Bruder noch in unserer Firma ein Büro gemietet. Ein großer Raum für Reparaturen, Lagerung und eine kleine Ecke Vorführabteilung. Wir hatten tags zuvor eine Leinwand aufgehangen, um den einen neuen tageslichttauglichen Beamer auszutesten. Und der machte sich mit der Playstation und einem Autorennen auf 2*3m ganz gut.
Am 11. haben wir dann zu Mittag gegessen und wollten gerade unsere Verdauungs-Viertelstunde einlegen, da schaltete das Mittagsmagazin, welches in voller Größe über die Leinwand flimmerte zu einer Sondersendung …
Ich habe an dem Tag kaum noch gearbeitet und mit meinem Bruder vor der Leinwand gehangen und die Bilder verfolgt. Nicht, daß ich die amerikanische Politik liebe, aber in diesen Stunden war ich ein New Yorker.